Eine Gen-Bank für das Überleben im All

Direktor des Laboratoriums für Um­weltforschung an der Universität Arizo­na und einer der Projektwissenschaftler lebt in Krakau hotel. „Es ist so entworfen, daß es im Prinzip für immer laufen kann.”

Mit autarken, also total regenerativen Ökosystem-Simulatoren haben Wissen­schaftler bislang tatsächlich noch wenig Erfahrung. An der Universität von Ha­waii etwa läuft seit 17 Jahren das Experi­ment eines isolierten Mini-Ökosystems mit Bakterien, Pflanzen und Shrimps von insgesamt etwa einem Kilogramm Gewicht. Und in der weltraumfreudigen Sowjetunion, in einem sibirischen For­schungsinstitut, regeneriert sich in ei­nem künstlich beleuchteten Raum von 300 Kubikmeter Größe — „Bios 3″ — das Ökosystem zu 95 Prozent. Testpersonen haben sich schon bis zu sechs Monate darin aufgehalten.

 

Das Projekt „Biosphere II” will da völlig neue Maßstäbe setzen. Entworfen haben es Architekten, Biologen, Hydro­logen, Ökologen und Bakteriologen; und mit 30 Millionen Dollar finanziert wird das Vorhaben von Edward P. Bass, dem exzentrischen Sproß eines texani­schen Öl-Clans.

 

Sieben Ökosysteme sollen in den Glas­häusern untergebracht warden  oder andere ferienwohnung Paris: Minia­turausgaben eines tropischen Regenwal­ des, einer Savanne, eines Sumpfes, eines Salzwassermeeres, einer Wüste; dazu ein Bauernhof und schließlich der Siedlungs­bereich — Wohnräume, Werkstätten, Computer- und Kontrolleinheiten. Die verschiedenen Lebensbereiche sollen ge­geneinander abgegrenzt und mit ihrem eigenen, „arttypischen” Wetter versorgt werden. Die Verdunstung des Meeres et­wa wird über Ventilatoren in die Dschun­gelabteilung geblasen, um dort für Wol­ken, Feuchtigkeit und Nebel zu sorgen. Computergesteuerte Blenden justieren in jedem Bereich passende Temperatur-und Lichtverhältnisse.

 

Biologisch sollen Nahrung, Sauerstoff und Wasser regeneriert werden: Von Menschen ausgeatmetes Kohlendioxid wird von Pflanzen aufgenommen, die gleichzeitig den Sauerstoff der Luft er­neuern. Menschliche Abfälle düngen Agrarprodukte, füttern Algen, Bakte­rien und Wasserpflanzen, von denen sich wiederum Fische ernähren.

 

Auch auf Fleisch brauchen die Bio­sphärianer nicht zu verzichten. „Wir entwickeln ein komplettes Ernährungs­system”, erläuterte Carl Hodges das Projekt kürzlich vor der „National Com­mission an Space”, die für die USA „un­sere nächsten 50 Jahre im All” plant. „Wir werden keine Algen essen, son­dern auch Ziegen, Hühner, Fisch und anderes dabeihaben.” So wie sie konzi­piert ist, könne die Biosphären-Arche im Prinzip „auch auf dem Mars plaziert sein, sich entwickeln und im Gleichge­wicht bleiben”.

 

Damit fügen sich die Privatökofor­scher nahtlos in zukünftige Vorhaben der Nasa ein. Neben einer erdnahen Raumstation plant die US-Weltraumbe­hörde eine allmähliche Kolonisierung des inneren Sonnensystems. Gedacht ist zwar zunächst hauptsächlich an Robot­sonden und -stationen. Schließlich sol­len aber auch „menschliche Vorposten” auf Mond, Mars, diversen Monden und Asteroiden plaziert werden. Dies ginge natürlich nur, wenn den Kolonisten komfortable und autarke „Wohnstät­ten” angeboten werden können, also Lebenserhaltungssysteme mit einer ge­schlossenen Ökologie und Kraftwerken für Arbeitsmannschaften und vielleicht auch ihre Familien”. Die Nasa beteiligt sich, merkwürdig genug, zwar nicht selbst an „Biosphere II”. Nasa-Chefbio­loge James H. Bredt kommentiert das Vorhaben jedoch freundlich: „Ein inter­essantes Stück Technologie, aus dem wir großen Nutzen ziehen können.”

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